Bienenwaben gehören zu den beeindruckendsten Bauwerken der Natur: exakte Sechsecke, perfekte Stabilität, dazu eine unglaubliche Materialeffizienz. Doch wie schaffen es die kleinen Insekten, solche präzisen Strukturen zu bauen – und das völlig ohne Werkzeuge?
Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie Bienen ihre Waben konstruieren.
1. Warum Waben überhaupt? – Das „Multifunktionsgebäude“ der Bienen
Waben dienen im Bienenvolk gleich mehreren wichtigen Zwecken:
- Brutzellen für Eier, Larven und Puppen
- Lagerzellen für Honig und Pollen
- Isolations- und Klimaregulation im Bienenstock
- Strukturelle Stabilität des gesamten Nestes
Die sechseckige Form ermöglicht maximale Stabilität bei minimalem Materialverbrauch – kein anderes Muster nutzt den Raum so effizient.
2. Bienenwachs – das Baumaterial
Die Arbeiterinnen zwischen dem 12. und 18. Lebenstag können Wachs produzieren.
Wie entsteht Wachs?
- In kleinen Drüsen an der Bauchseite der Biene wird Wachs ausgeschieden.
- Es erscheint als winzige, durchsichtige Plättchen.
- Die Bienen knabbern, formen und kneten das Wachs mit ihren Mundwerkzeugen weich.
Wachs ist in seiner Rohform hart und spröde – erst durch Wärme der Bienenkörper wird es formbar.
Deshalb herrschen im Wabenbau-Bereich meist 35–40 °C.
3. So läuft der Wabenbau ab – Schritt für Schritt
1. Die Bienen bilden eine Baukette
Die Arbeiterinnen hängen sich Fuß an Fuß zu langen Ketten zusammen.
Diese „Trauben“ dienen als:
- Gerüst
- Wärmespeicher
- Orientierungshilfe
Damit entsteht ein stabiler „Bauplatz“.
2. Die ersten Wachsschichten werden angebracht
Einige Baubienen kneten das Wachs und drücken es an die Deckel oder Seiten der Beute.
Sie beginnen in der Regel oben und bauen sich nach unten, schichtweise.
3. Die hexagonale Form entsteht
Es gibt zwei wichtige Faktoren:
- Spannung im warmen Wachs
- Korrekturen der Baubienen mit Mundwerkzeugen und Beinen
Das Ergebnis: Sechsecke, deren Wände 0,07 mm dünn sein können – und trotzdem stabil bleiben.
4. Ausrichtung nach der Schwerkraft
Bienen nutzen ihre Sinnesorgane, um die Waben senkrecht und parallel auszurichten.
Die Ausrichtung ist so genau, dass verschiedene Wabenteile später millimetergenau zusammenpassen.
5. Spezialisierte Zellen entstehen
Je nach Bedarf werden unterschiedliche Zelltypen gebaut:
- Arbeiterinnenzellen (Standardgröße)
- Drohnenzellen (größer)
- Königinnenzellen (senkrecht hängende Weiselzellen)
- Honigzellen (größer und später nach oben hin gedeckelt)
4. Die perfekte Temperatur – ohne sie geht nichts
Wachs wird erst bei Wärme formbar.
Deshalb halten die Bienen den Bau zentral bei ~ 35 °C.
Sie regulieren das durch:
- Flügelvibration (zum Heizen)
- Fächeln (zum Kühlen)
- Wassertransport (Verdunstungskälte)
Der Wabenbau ist also ein echtes Gemeinschaftsprojekt.
5. Wie lange dauert es, eine Wabe zu bauen?
Das hängt stark von Jahreszeit, Tracht und Volksstärke ab:
- Starke Völker können ein Rähmchen in 24–48 Stunden ausbauen.
- Schwache Völker brauchen deutlich länger.
- Für 1 kg Wachs müssen die Bienen etwa 6–8 kg Honig verbrauchen – es ist also sehr energieintensiv.
Fazit
Der Wabenbau ist eines der komplexesten und faszinierendsten Beispiele für Teamarbeit und Naturarchitektur.
Mit perfekter Temperaturkontrolle, cleverem Materialeinsatz und exakter Ausrichtung schaffen Bienen Hexagonstrukturen, die sowohl funktional als auch erstaunlich schön sind.
Wenn du möchtest, kann ich auch Beiträge zu folgenden Themen schreiben:
- „Wie entsteht Honig?“
- „Königinnenzellen erkennen und beurteilen“
- „Warum sind Waben sechseckig?“